
DeutschlandKlessin
Im Rahmen der Kriegsgräbersuche unserer 20. Grabungsaktion in Klessin im April 2026 arbeitete eine Gruppe des VBGO erneut im Innenhof des ehemaligen Gutes Klessin. Das Gutsgelände mit Gutshaus, Stallungen und Wirtschaftsgebäuden bildete einen wesentlichen Bestandteil der inneren Verteidigung des Stützpunktes. Zwischen den Gebäuden sowie im Innenhof waren durch die deutschen Soldaten Kampf- und Verbindungsgräben sowie weitere feldmäßige Stellungen angelegt worden. Ausgangspunkt unserer Untersuchung war eine zeitgenössische sowjetische Aufnahme aus dem „Bericht über die Gefechtshandlungen der 104. Haubitzenartillerie-Brigade großer Leistung vom 25.02. bis 25.03.45“. Auf dem nach Abschluss der Kämpfe entstandenen sowjetischen Foto sind mehrere deutsche Kriegstote in einer Vertiefung im Innenhof des vollständig zerstörten Gutes Klessin zu erkennen. Bei dieser Vertiefung handelt es sich wahrscheinlich um einen Granattrichter oder einen Teil des während der Kämpfe angelegten Grabensystems. Durch den Vergleich der Aufnahme mit weiteren zeitgenössischen Fotografien und Luftbildern konnte der betreffende Bereich innerhalb des Gutshofes lokalisiert werden. Bereits bei früheren Arbeiten im Bereich der heutigen Gedenk- und Erinnerungsstätte waren dort einzelne menschliche Gebeine festgestellt worden. Die historischen Bildquellen lieferten daher einen konkreten Hinweis darauf, dass im Innenhof des ehemaligen Gutes nach Ende der Kämpfe noch ungeborgene Kriegstote zurückgeblieben waren. Dies war der Gefechtsabschnitt der 5. Kompanie des Grenadier-Regiments 1242. In sorgsamer Arbeit nach archäologischer Grabungsmethodik wurde dieser kleine Abschnitt durch unsere Arbeitsgruppe überprüft. Der angenommene Granattrichter wurde exakt lokalisiert. In ihm befanden sich zwei Kriegsgefallene. Bemerkenswert ist, dass sich bei beiden Soldaten zwar ihre Erkennungsmarken, jedoch keine weitere persönliche oder militärische Ausrüstung befand. Dieser Befund spricht gegen die Annahme, dass beide Soldaten unverändert an ihrem unmittelbaren Todesort lagen. Vielmehr erscheint es wahrscheinlich, dass ihre sterblichen Überreste nach Abschluss der Kampfhandlungen in dem vorhandenen Granattrichter beigesetzt wurden. Beide ganzen Erkennungsmarken waren vollständig lesbar und können durch die Mitarbeiter des Bundesarchives in Berlin Kriegsgefallenen der 5. Kompanie Grenadier-Regiment 1242 zugeordnet werden. Somit konnten durch den Fund dieser Grablage zwei weitere Kriegsschicksale durch unseren Verein geklärt werden.
08.04.2026 - 12.04.2026
Geborgene Soldaten: 2
Deutsche Soldaten: 2
Erkennungsmarken: 2